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Bourtange – Zurück in die Vergangenheit

Moin Lü,

Vor ein paar Wochen bin ich in Bourtange gewesen. Das ist eine Festungsanlage in den Niederlanden nahe der deutschen Grenze und ein Stück lebende Geschichte.

Aus der Vogelperspektive betrachtet, ist die Festung als Stern angelegt – genauer Festungswällen und Wassergräben sind als Fünfeck angeordnet.

  

Im Zentrum des Dorfes befindet sich der malerische Marktplatz mit kleinen Geschäften, Cafés und Restaurants. Er ist umgeben von 350 Jahre alten Linden und gibt dem Platz seine ganz besondere Atmosphäre. Ein lauschiger, kleiner Ort, an dem es sich sehr gut aushalten lässt.

  

In der ehemaligen Kommandantenwohnung gibt es einen ganz besonderen Laden, der meine Augen immer wieder zum Leuchten bringt. Es ist ein Süßigkeitenladen – so wie man ihn aus Großmutters Zeiten kennt. Hier gibt es viele Leckereien nach alten Rezepten und Zuckerstangen in allen Größen und Farbvarianten…

  

Ein Hingucker auf dem Marktplatz ist sicherlich das rote hölzerne Pferd. Viele Kinder finden es toll, darauf herum zu klettern und auch bei Erwachsenen ist es ein beliebtes Fotomotiv. Doch sein Zweck war von eher skurriler Natur: Es ist nämlich ein Folterwerkzeug aus früheren Zeiten. Die Sträflinge wurden auf das Pferd mit dem spitz zulaufendem Rücken gesetzt, dann wurden an ihren Füßen Gewichte befestigt und den Rest überlasse ich eurer Fantasie…

    

In einer ehemalige Soldatenbaracke befindet sich eine Kerzenmanufaktur. Die kreative Besucher kann hier das Kerzengießen auch in einem Workshop auch selbst einmal ausprobieren und Farben und Material nach Herzenslust kombinieren. Natürlich hat die Kerzengießerei auch einen Shop, in dem man sich mit handgemachten Kerzen eindecken kann.

Wenn man schon mal in Bourtange ist, muss man auf jeden Fall auch einen Spaziergang auf dem inneren Festungswall machen. Denn hier sind die Verteidigungsanlagen und Kanonen zu finden.

Und so ominöse kleinen Holzhäuschen, die über dem Wasser stehen. Das sind die „Secreten“. Sie  wurden von den Soldaten als Toiletten genutzt. Es schien aber auch ein sehr beliebter Platz gewesen zu sein, um Müll zu entsorgen. Das haben zumindest archäologische Ausgrabungen ergeben.

Auch die von weitem sichtbare Bourtanger Mühle befindet sich auf dem Festungswall. Es handelt sich um eine sogenannte Bockwindmühle, die Originalgetreu nachgebaut wurde. Dank eines freiwilligen Müllers ist die Mühle regelmäßig in Betrieb und kann besichtigt werden.

 

Neben der Mühle ragt der Kirchturm der reformierten Kirche in den Himmel. Bei meinem letzten Besuch in Bourtange hatte ich die Gelegenheit, einen Blick in die Kirche zu werfen. Ein schöner Innenraum, nicht zu überladen, bodenständig und eine warme Atmosphäre. Eine wirklich sehr schöne kleine Kirche.

  

In den Sommermonaten finden viele Veranstaltungen in der Festung statt, die die Vergangenheit von Bourtange wieder aufleben lassen.

In der Saison exerzieren auf dem Hauptplatz jeden Sonntag Soldaten in historischen Gewändern. Im Anschluss werden die Kanonen auf den Wallanlagen gezündet – nichts für empfindliche Ohren.

Am ersten Maiwochenende wird die Schlacht von Bourtange nachgestellt. Im August findet das „Festung Spektaculum“ statt, eine Zeitreise in die Zeit des Mittelalters.

Das „magisches Fest“ Samhain findet Ende Oktober statt und dazu gibt es im Jahresverlauf mehrere Märkte.

Jetzt ist mein Artikel viel länger geworden als ursprünglich geplant.  Schaut doch einfach einmal selber in die Festung herein. Es gibt immer etwas zu entdecken. Mehr erfahrt ihr auch der Webseite der Festung unter www.bourtange.nl.

Immer munter bleiben

Euer Ostfriesenkind